Tat das gut! Nach Wochen der Absagen oder Aufschüben auf das kommende Jahr von Taufen, Hochzeiten, Konzerten, Festen hat es mich jetzt innerhalb von 24 Stunden gleich dreimal anders herum erreicht: erst kam eine Taufanmeldung für August, dann am Abend ein Taufgespräch für eine Taufe auf Südwesthörn im Juni und eben die erste Vorbesprechung für das Rausschmeißerfest in der Kita: Nur im kleinen Kreis in diesem Jahr, mit den Kindern, die in die Schule wechseln, aber eben doch mit Andacht und vor allem: dem Schubkarren-Rauswurf, von dem alle noch Jahre später träumen! – Da hat uns ganz viel Leben wieder, und das fühlt sich richtig gut an! Wir können nicht alles verschieben oder ausfallen lassen – umso dringlicher ist es dann, andere, „coronagerechtere Formen zu entwickeln! Unsere Kita ist da mit einem tollen Team und tollen Eltern gut vorangekommen. Der Plan stand jetzt bis zu den Ferien, dass aus zwei Gruppen vier kleinere Gruppen wurden, die im Wechsel, immer zwei pro Woche, jetzt wieder in die Kita kommen dürfen.

Also, ich mag den Föderalismus! Er hat so etwas Ur-Protestantisches. Ich meine – wenn mich jemand fragt: Was sagt die Kirche zu diesem oder jenem Thema? Dann komme ich immer ins Schwitzen, und ich schwitze gerne, weil: D i e Kirche sagt da immer gar nichts. Der EKD-Vorsitzende hat eine Meinung, und die Bischöfin und der Superintendent und die Pastorin und das Gemeindeglied – und wenn sie dabei dann noch auf die Bibel in ihren zentralen Inhalten verweisen können, sind das alles, so verschieden sie sein mögen, diskussionswürdige Positionen, und dann muss jede Glaubende, jeder Glaubende sich ein eigenes Urteil bilden. So ist das eben gut evangelisch.

Bunt soll Nordfriesland werden. Also, bunt ist es ja schon, die Sonne scheint goldgelb, der Himmel ist himmelblau und manchmal auch grau, weiße und schwarze Schafe stehen am Deich, silberfarbene Windräder drehen sich unentwegt, goldgelbener Köm funkelt im Glas, roter Backstein und dunkles Reet, grüne Wiesen locken zum Rasten, und bei dem Wettermischmasch scheint auch immer mal ein bunter Regenbogen auf. Bunt ist es schon, und jetzt soll es noch bunter werden: unsere Plätze und Straßen sollen bunt erstrahlen. Weil Gott es bunt liebt, die Menschen ganz bunt geschaffen hat, weil er Vielfalt mag und eine Kirche, die viel vom Regenbogen widerstrahlen möge und in der die Menschen, so verschieden und bunt sie sind, ihren Platz finden und der Heilige Geist, so vielfältige Ideen und Anregungen er uns geben will, sich frei entfalten kann

War das besonders gestern! Wie ein Revival aus einer längst vergangenen Zeit, nur noch schöner! Wir durften gestern Gottesdienst feiern – ich meine, ja: Gottesdienst, so ohne eine dreiviertel Stunde mit dem Mundschutz zu kämpfen, der einem das Atmen schwer macht, denn bei Open-Air-Gottesdiensten besteht keine Mundschutzpflicht mehr, wenn die Abstände eingehalten werden können. Und wir durften: mitsingen – also nicht einfach innerlich, mit dem Herzen, auch nicht einfach mitsummen unter besagtem Schnutenpulli, auch nicht nur Playback ohne Ton, nein, mit richtigem Auf- und Zumachen des Mundes und Herauslassen der Töne. Richtig ungewohnt war das, und wir wollten es auch nicht übertreiben, sangen leise mit, aber sangen eben: Wie lieblich ist der Maien. Oder: Geh aus mein Herz und suche Freud. Ja, es war Gottesdienst, wie wir ihn von früher her kannten, nur die Gartenstühle auf dem schönen Platz auf dem Neugalmsbüller Friedhof waren weiter auseinandergerückt, aber gerade so füllten sie den ganzen Platz dann auch aus.

Gestern wurden es 100! Ja, gestern, als wir uns in unserem Team auf den Weg machten um im Zentralmarkt Süderlügum einzukaufen und Menschen zu Hause mit Lebensmitteln zu versorgen, die momentan in finanziellem Engpass wegen der Corona-Pandemie sind oder weil die Tafel Südtondern derzeit ihre Ausgabestellen coronabedingt nicht geöffnet hat. Gestern wurden es 100. Ein junges Paar auf dem Parkplatz vor dem Zentralmarkt sprach uns an. Erzählte ihre Geschichte. Und half gleich mit am Ende die leeren Verpackungskisten zu entsorgen und die Wagen wieder zurückzubringen. Die 46. Lebensmittelkiste ging an sie und ihr Kind daheim. Der Adressatenkreis der zu beliefernden Personen stieg damit auf genau 100.

Es fühlte sich gut an. Anders, ungewohnt, aber doch irgendwie gut. Am Sonntag konnten wir erstmals seit 10 Wochen wieder Gottesdienst feiern – also mit Gemeinde vor Ort in der Kirche. Es war anders und fühlte sich neu an, und darum klopfte auch mein Herz bisschen schneller, bevor alles losging. Und ich freute mich schon so sehr darauf! Und es war wie Weihnachten: Alle Plätze belegt! Na ja, mit etwas mehr Abständen als an Heilig Abend, wir durften ja statt der über 200 Plätze nur 20 belegen, aber immerhin: die waren besetzt! Und alle gut verteilt, sogar in der ersten Reihe saß jemand, und das war nicht ich! – Was diese neuen Maßnahmen alles bewirken! Nicht mitzusingen, das war gemein – weil Kolle Feddersen einfach zu schön spielte an der Orgel und so wunderschöne Melodien ausgewählt hat wie „Geh aus mein Herz“ oder „Morgenlicht leuchtet“