Weihnachten fällt nicht aus!

Sie präsentierten sich als willensstarke Retter von Weihnachten: die Politikerinnen und Politiker, die Ende Oktober tagten und harte Einschnitte und Kontaktbeschränkungen verordneten für den November. Immer wieder wurde als Begründung für die Maßnahmen genannt: Wir wollen doch Weihnachten feiern können! Die Wochenzeitung DIE ZEIT titelte daraufhin: Das ist der Lockdown, der Weihnachten retten soll! So viele, die sich für Weihnachten einsetzen: das ist großartig! Dennoch bleibt festzuhalten: Weihnachten können und müssen wir nicht retten! Weihnachten fällt nicht aus! Weihnachten ist noch nie ausgefallen. Auch wenn die Umstände manches Jahr schwierig waren. Auch wenn man nicht in der Familie zusammenkommen konnte. Weihnachten kam einfach: es platzte hinein mitten in die Kriegszeit. Es überkam Soldaten an der Front. Es erreichte Gefangene in Straflagern. Es geschah in Krankenhäusern und Hospizen. Es berührte Menschen ohne Obdach auf der Straße. Es kroch in die Stube, wo jemand ganz einsam saß. Weihnachten fällt nicht aus – so wie es damals vor 2000 Jahren nicht ausgefallen ist. Obwohl damals Maria und Josef im fernen Bethlehem offenkundig ganz ohne Beisein ihrer Familie die Geburt Jesu erlebten. Obwohl es keinen gescheiten Platz für eine schwangere Mutter bei der Niederkunft gab, nur eine Futterkrippe. Obwohl die Versorgung nicht geklärt und die Zukunftsaussichten alles andere als rosig waren, trachtete doch der König Herodes diesem Kind gleich nach der Geburt nach dem Leben. Aber es wurde Weihnachten, ein besonderes Weihnachtsfest, dessen Erzählung in die Bibel Eingang fand als d a s Heilsereignis Gottes. Gott lässt sich nicht stoppen, schon gar nicht in seinem Willen den Menschen seine Liebe zu zeigen – ist die Welt da draußen auch noch so finster und kalt.

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Es wurde Weihnachten. Es wird Weihnachten. Auch in diesem Jahr. Anders vermutlich als in anderen Jahren. Vielleicht ohne Gottesdienst in einer warmen Kirche, aber dafür – viel dichter am ursprünglichen Weihnachten dran. Vielleicht in einer Reithalle oder auf dem Platz am Gemeindehaus rund um eine Feuerschale. Vielleicht ohne Verwandtenbesuch, nur mit zwei Haushalten, Eltern und Kindern, in der Stube zusammen: und doch sehr innig mit viel Zeit füreinander. Vielleicht ohne den Stress oder auch den Zauber der vielen Veranstaltungen vorneweg im Dezember, Weihnachtsfeiern, Glühweintrinken, Klassenfesten, Vereinsfeiern. Dafür ein wenig ausgeruhter, womöglich besinnlicher, wer weiß! Und wenn da Weihnachtskarten auf dem Gabentisch liegen, die man wieder und wieder zur Hand nehmen und betrachten kann wie einen wunderbaren Schatz. Dann ist Weihnachten! Vielleicht mit weniger Geschenken als sonst, weil zu viel Einkaufstouren durch Innenstädte angesichts von Kontaktbeschränkungen nicht ratsam erscheinen oder schlicht das Geld fehlt: dein Geschäft ist ja so lange schon geschlossen, und das Kurzarbeitergeld reicht hinten und vorne nicht. Dann begehe Weihnachten einfach mit der Dankbarkeit: gesund zu sein, deine Lieben zu haben. Vielleicht muss mancher einsam, unter Quarantäne, Weihnachten begehen und darf nicht einmal die Familie bei sich haben. Vielleicht bist an Weihnachten in der Stube nur du und dein Gott daheim: aber es wird Weihnachten! Gott ist da, wie er auch jetzt schon da ist, ganz sicher! Vielleicht erlebt mancher Weihnachten – möge Gott uns möglichst davor bewahren – mit Atemmaske auf einer Intensivstation. Oder als Ärztin oder Pfleger ausgepowert von Krankenbett zu Krankenbett springend. Lass dir auch dann, gerade dann die großen Worte gesagt sein, voll Wärme und Zuwendung, die Menschen lange vor Jesu Geburt in trostloser Zeit damals halfen durchzuhalten, diese alte Weissagung bei Jesaja: „Es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind … Das Volk, das im finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du, Gott, weckst lauten Jubel, du macht groß die Freude.“ (Jesaja 8,23; 9,1–2). Dein Heiland ist da. Er kommt um dein Leben zu teilen. Er macht sich klein in dieser Krippe und weiß, wie es ist sich so klein und wehrlos zu fühlen in dieser Welt. Aber er will dein Lichtblick sein. Er will dich stärken. Die Hoffnung in dir wieder zum Leuchten bringen. Ja, er will noch mehr: dich, genau dich: zum Lichtblick für andere machen in dieser schweren Zeit. Gerade in diesem Jahr brauchen wir die kleinen und großen Gesten der Zuwendung und Aufmerksamkeit! Weihnachten fällt nicht aus. Darum begeht es, so wie es in diesem Jahr möglich ist, daheim und draußen. Begeht es am Telefon, wenn ihr Menschen anruft, dass sie nicht alleine bleiben. Oder wenn ihr ein Päckchen packt an jemand, den ihr in diesem Jahr nicht besuchen könnt. Begeht es, wenn im Radio Weihnachtslieder gespielt werden. Oder vor unserer Kirche jemand mit Trompete „Stille Nacht“ anstimmt. Begeht es, wenn ihr daheim eine Krippe aufbaut und das Jesuskind hineinlegt, und dann spürt: „Mein Heiland ist da!“ Vielleicht müssen wir in diesem Jahr anders Weihnachten feiern als in anderen Jahren. Aber wir müssen es nicht neu erfinden: Gott erfindet sich immer wieder neu – um zu uns zu kommen, bei uns zu sein und seine Liebe in unser Herz zu legen. Das ist unser Licht in dunkler Zeit! Und die Hoffnung, die allen gilt! In dem Sinne wünsche ich euch eine gesegnete Adventszeit und ein leuchtendes Weihnachtsfest!

Euer Pastor Gerald