Es ist eine besondere Zeit, diese vom Coronavirus geprägte Zeit! Am 14. März hatten wir mit den Konfirmandinnen und Konfirmanden die erste Probe für den Vorstellungsgottesdienst in der Emmelsbüller Kirche und hofften, wir könnten den Gottesdienst wie geplant am 26. März halten. Am 15. März war der Lockdown. Am 17. März waren wir erstmals in einer leeren Kirche, es war in Neugalmsbüll – Sigrid Brandenburg, Jorge Sendler, Anne Nicolaysen und ich – und streamten erstmals einen Gottesdienst. Überrascht waren wir, dass doch gar nicht so wenige sich eingewählt hatten über Facebook oder die Homepage. In Klanxbüll feierten wir nur mit der Familie noch die Taufen von Emma und Jakob Springstub. Eigentlich sollten die Konfirmanden ihre Mitkonfirmandin Emma zu diesem Ereignis begleiten, aber das war da ja schon nicht mehr möglich. Und dann folgten statt Geburtstagsbesuchen Telefonate, statt der Andacht im Nis Puk ein an der Pforte abgegebenes Andachtsblatt, und die ganze Arbeit im Pfarramt musste völlig umgestellt werden…

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Bald flatterten Banner an den Kirchtürmen: Coronaläuten – Hoffnungsläuten stand da. Und immer um 12.00 Uhr wurden die Glocken unserer Kirche geläutet und luden zum gemeinsamen Gebet ein. Die Banner allerdings hielten nicht lange den rauen Stürmen um unsere Kirchen stand! Mund- und Nasenbedeckungen wurde genäht. Auch meine Frau war dabei, und die Nachbarschaft. Ein ganz stattliches Sortiment entstand, schöne Muster. Auch die friesischen Nationalfarben wurden bald gewünscht. Ostern ohne Gottesdienste mit Gemeinde, das war neu und komisch und machte mich erstmal ganz schön traurig. Aber an Gründonnerstag streamten wir aus der Horsbüller Kirche. Sogar Karl Teske mit über 90 Jahren schaute aus dem Pflegeheim in Niebüll zu! Und mancher hatte sich zu Hause Brot und Wein bereitgestellt, so feierten wir ein Agapemahl oder Abendmahl eben online – Silke Jensen, Sigrid und ich in der Horsbüller Kirche, und Gemeindeglieder zu Hause an ihren Smartphones. Dabei entstand auch dieses Foto, das mich sehr berührt hat: Sogar zur Osternachtsfeier am Ostersonntag waren Menschen „live“ am Bildschirm für unseren Osternachtsgottesdienst. Und an Ostermontag konnten wir ganz viele Osterbilder zeigen, die Kinder gemalt und uns geschickt hatten - ein Gottesdienst für Groß und Klein aus der Klanxbüller Kirche, ohne dass Kinder vor Ort waren! Aber Joyful Voices stellte uns die Aufnahme eines ihrer Gospels für den Gottesdienst zur Verfügung, und Constanze Vogel machte mit ihren Kindern ein wunderschönes Video! Und so gingen die Wochen ins Land. Ende April machten wir einen Freiluftgottesdienst bei Willem Harferts Schafen auf der Weide bei Klanxbüll – es war ja auch der Hirtensonntag! Anfang Mai waren in der Neugalmsbüller Kirche die Bänke auf einmal wieder richtig gefüllt mit vielen Gesichtern, und das ohne Mindestabstand: Kinder und Erwachsene hatten Bilder gemalt, sich oder andere, oder eine Porträtaufnahme von sich bearbeitet, und Helga Christiansen fertigte Schilder an, klebte die Bilder darauf und befestigte sie in den Bankreihen. Das sah doch gleich so viel schöner aus als diese traurigen, leeren Bankreihen immer! Dankeschön an alle, die da mitgemalt und geholfen haben! Am 10. Mai hätten wir wieder die Kirchen für Gottesdienstbesucher öffnen können – da wir in Klanxbüll aber maximal 10 Personen setzen dürfen und die Umsetzung der Hygienemaßnahmen auch etwas Vorlauf braucht, entschieden wir uns noch einmal Gottesdienst zu streamen. Bei der Gelegenheit ein ganz riesiges Dankeschön an Sigrid und Jorge: ihr habt viel Zeit investiert, die Technik entwickelt, und Sigrid ist auch in die anderen Kirchen zum Gottesdienst mitgekommen, Sonntag für Sonntag, Feiertag für Feiertag, um die Aufnahme zu begleiten! Dankeschön für diesen Einsatz. Dankeschön an unsere Organisten und Küsterinnen, die die Gottesdienste mit begleitet haben! Und Euch, liebe Gemeinde, dankeschön für Eure Geduld: die Technik ist noch immer nicht ausgereift, manches war nicht gut zu hören, das Bild stand auch schon mal quer, wir sind ständig am Dazulernen - aber ihr wart immer voll Nachsicht mit uns! – Wir wollen auch in Zukunft Gottesdienste über unsere Internetseite sonntags senden, und zwar vorzugsweise live streamen. Nicht mehr jeden Sonntag. Aber so lange wir nur so eine begrenzte Zahl an Gottesdienstteilnehmern im Gottesdienst begrüßen dürfen und manch treuer Kirchgänger auch zur Risikogruppe zählt und lieber noch daheim bleiben möchte, könnt ihr also auf die Weise Gottesdienste bei uns weiterhin verfolgen. Und ich denke, auch nach der Coronazeit werden wir ab und an Gottesdienste auch online senden. Mancher Ältere, etwa im Seniorenheim, kann nicht zur Kirche kommen, aber hat einen Laptop oder ein Smartphone. Andere von weiter weg können mit zuschauen. Wir hatten Gottesdienstteilnehmer sogar in Griechenland und Rumänien gehabt! Und manchmal sind es auch Familien, die mir schrieben: Sonntags Gottesdienst, morgens so früh los, das schaffen sie nicht – aber beim Frühstück mit der Familie Gottesdienst im Internet anschauen: das klappt! Kirche sollte bei den Menschen sein und zu den Menschen kommen – mit dem Internetangebot tut sich da eine neue Möglichkeit auf. Und trotzdem freue ich mich jetzt auch sehr darauf Gottesdienste wieder mit Gemeinde zu feiern, mit Mundschutz und einer kleineren Gemeinde, aber eben mit Gemeinde vor Ort! – Bleibt gesegnet und behütet!

Euer Pastor Gerald