Ist es denn wirklich schon wieder ein Jahr her – dass ich die frühzeitig eingekauften Geschenke kurz vor der Bescherung verzweifelt gesucht habe, dass mir die unwiderstehlichen Dominosteine und andere Weihnachtsplätzchen das eine oder andere Pfund mehr auf der Waage bescherten, dass ich mit Martha in den Wald zog und mit der doch viel zu stumpfen Säge (gepaart mit meinem handwerklichen Ungeschick) gewaltig ins Schwitzen kam, bis unser ausgesuchter Weihnachtsbaum dann wirklich mitnahmebereit war?! Sind sie denn schon vergangenen, diese fünf Monate seit unserem Umzug ins Pastorat, als ich die Umzugskisten mit der Weihnachtsdekoration oben auf den Speicher verfrachtete ins hinterste Eck: es war Juli und bis Weihnachten noch so lange hin!

Alle Jahre wieder wird Weihnachten. Ich liebe diese Zeit, das Zusammensitzen bei Kerzen, das Lauschen auf dieAdventskranz Artikelbild rcm992x0 alten Melodien, die Erinnerungen, die wach werden, und die Vorfreude auf das Fest. Wir freuen uns auf unser erstes Weihnachtsfest hier in Nordfriesland. Ich freue mich auf unseren Lebendigen Adventskalender, der am 1. Dezember startet, auf die Begegnungen, auf die Adventsfeiern, auf die Gottesdienste zu Heilig Abend, auf Weihnachtsplätzchen und die schönen Lieder und die Begegnungen, die diese Zeit bereithält! – Aber ich weiß auch, dass manche Angst haben vor dieser Zeit: Angst vor dem Fest, weil sie das erste Mal ohne den geliebten Partner oder einen anderen lieben Menschen dieses Weihnachten begehen müssen. Angst vor der Wucht der Erinnerungen. Angst vor dem Konsumrausch, bei dem sie vielleicht nicht mithalten können. Angst vor der eigenen Einsamkeit, wo andere „in Familie“ machen. Mancher wünscht sich, Advent und Weihnachten wäre schon vorbei!

Weihnachten fragt nicht danach: ob wir bereit sind für dieses Fest! Wie war das denn damals, vor 2000 Jahren: für Maria konnte es kaum einen ungünstigeren Zeitpunkt für die Geburt geben als fern von zu Hause in Bethlehem. Für die Stadt Bethlehem selber kam der Zeitpunkt auch höchst ungünstig: die Herbergen alle belegt, jede Menge Trubel und viel Arbeit, den Menschen stand nach ganz anderen Dingen der Sinn als nach der Ankunft Gottes mitten unter ihnen. Die Hirten hätten womöglich in jener Nacht zunächst lieber die Beine hochgelegt, als sich auf die Suche nach diesem Kind zu machen. Und ob Ochs und Esel schon gerne die Krippe mit dem Futter hergaben als Schlafstätte für das Jesuskind?

Und doch wurde es Weihnachten. Und für alle, die sich darauf einließen, wurde es dann doch eine unvergessliche Nacht. Sie erfuhren, wie schön das ist, wenn Gott plötzlich in unserem Leben auftaucht, uns aus den Augen eines kleinen Kindes anschaut und dieser oft so friedlosen Welt und uns oft so unruhigen Menschen Einkehr und Frieden, Hoffnung und Freude schenkt.

Weihnachten geschieht auch heute. Nicht dann, wenn alle Plätzchen gebacken, das Haus vor den Festtagen geputzt und alle Karten geschrieben sind. Weihnachten geschieht – wenn ich inmitten der vielen Kerzen dieser Tage jene finde, bei der mir ein Licht aufgeht. Wenn ich in all den Terminen der Adventszeit die Ohren spitze und den Engel höre, der mir sagt: „Fürchte dich nicht! Auch dein Heil liegt da in der Krippe. Auch für dich ist Gott Mensch geworden, um dir nahe zu sein!“ Wenn sich eine Tür vor mir auftut, die verschlossen schien. Wenn ich mit einer kleinen Geste – vielleicht ein paar selbstgebackenen Weihnachtsplä600px Vitraux Cathedrale de Laon 240808 2tzchen und ein wenig Zeit, die ich mitbringe – jemandem anderen eine Freude machen kann! Oder wenn ich in den Augen der Kinder und dann auch in meinen eigenen Augen jene Sehnsucht entdecke, die viel größer ist, als dass sie irgendein Gabentisch mit eingepackten Geschenken stillen könnte. Dann spüre ich: Jetzt ist Jesus auch in meinem Leben angekommen.

Beim Propheten Sacharja heißt es: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ (Sacharja 9,9).

Gott kommt.

Mit seiner Hilfe und Liebe. Er kommt zu dir. Weil er es will. Weil er dich liebt.

So lass Weihnachten: einfach geschehen! In diesem Sinne wünschen meine Frau und ich Dir, Euch und Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute, Gottes Segen für das neue Jahr!

Ihr Pastor Gerald Rohrmann